Termine

August 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31

Logo

Surftipp

Besuchen Sie im Internet doch auch noch:


Bildstöcke in Ottenstein

Bildstöcke Ottenstein Voß Belleken

In der Bauernschaft Ottenstein Hörsteloe gibt es diesen Doppelbildstock.

Auf einem Backsteinsockel erhebt sich auf einer teilweise beschädigten profilierten Deckplatte der Bildstein. Er ist oben halbrund abgeschlossen und wird von einem von zwei eingedrehten Voluten begleiteten Pinienzapfen mit einem Kreuz und zwei gekreuzten Lanzen bekrönt. Auf der nach Osten gewandten Seite über der Inschrift „S(ANCTVS) JOSEP(HV)S“ der rechts und links von je zwei brennenden Kerzen flankierte Nährvater Jesu zu sehen. Während er den rechten Arm ausstreckt, hält er in der linken Hand einen Lilienzweig und ein Buch. Darauf steht das Jesuskind, das ihm in den Bart greift. Diese Darstellung auf einem Bildstock ist im Bistum Münster keine Besonderheit. Ungewöhnlich ist dagegen die andere Seite. Sie zeigt  das Brustbild der gekrönten Mutter Gottes mit einem

sternenbesäten Schleier. Vor ihr steht das mit einem Heiligenschein versehende Jesuskind. Es sind mehre Inschriften in lateinischer, italienischer und deutscher Sprache vorhanden.

„IN GREMO MATRIS SEDET SAPIENDA PATRIS“

Mit diesen Worten „Im Schoße Mutter thront die Weisheit des Vaters. In Italienisch: „RITRATO DELL IMAGE MADONNA DE RE IN VALLEDIV(AE)GEZO C (D)“ Unter dem Bild ist die eigentliche Stifterinschrift eingemeißelt. „DIE WARRE ABBILBBILDUNG DES MIRACLLOS MVTTER GOTTES BILT ZU KLATTAW IN BOIEIMB SO ANNO 1685 DEN 8 IVLY BLVTH GESCHWITZET HAT ALHIER VON DEN EHELEUTEN VON NAMEN VNDT KERSSENBROCK DEN 12 SEPTEMBRIS 1697 GESETZT“ Beide Inschriften scheinen einen Widerspruch zu enthalten, denn nach der deutschen Inschrift handelt es sich ja um die wahre Abbildung des wunderbaren Muttergottesbildes zu Klattau in Böhmen, wo doch die italienische Inschrift besagt, dass es sich um eine Darstellung des wundertätigen Madonnenbildes von Re in Valle di Vegezzo, also offensichtlich ein italienisches Marienbild handelt.

Die Erklärung ist folgende. Zu Re in Valle die Vegezzo wurde seit 1494 ein wundertätiges blutendes Marienbild verehrt. Eine Kopie dieses Bildes kam im 17.Jahrhundert nach Klattau in Südböhmen. Diese blutete am 8. Juli 1685 vor vielen Zeugen ebenfalls. Bei dem Marienbild auf dem Hörsteloer Bildstock handelt es sich also um die westfälische Kopie der böhmischen Kopie des italienischen Originals. Es wurde gestiftet durch die Eheleute Nahmen und Kerssenbrock welches aus der Inschrift hervorgeht. Da Gottfried Maximilian Heinrich von Nahmen Offizier einer berittenen Truppe war, ist er wahrscheinlich mit dem Nahmen identisch, der 1678 als Hauptmann im Dragoner-Regiment Hoetensleben diente. Dieses Regiment war 1685 in der Nähe bei Klattau. Vielleicht hat von Nahmen aus Dankbarkeit für seine glückliche Heimkehr aus dem Krieg und in Erfüllung  eines entsprechenden Gelübtes den Bildstock 1697

in seine münsterländer Heimat aufstellen lassen. Eine direkte Beziehung zu Hörsteloe gibt es eigentlich nicht. Durch Hinweise von Alfons Haget und Georg Temming wurde das Bild von Bernhard Schwering und Heinrich Voß 1920 aus der Gemeinde Ammeloe geholt und in Hörsteloe aufgestellt wo es heute noch steht. Als 1930 der langersehnte Sohn Johann Voß, auf den die Informationen zurückgehen, geboren wurde, wurde das Häuschen um das Bild gebaut. Der Heimatverein Ottenstein und der Schützenverein Hörsteloe sorgten 1986 für die Restaurierung dieses Heiligenhäuschens. Dabei wurden auch zahlreiche Farbschichten entfernt und dadurch die Inschriften wieder sichtbar gemacht.