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Zeit zur Aussaat

Zeit zur Aussaat: Gemeinde auf Expansionskurs

 

"Alternative zum Prügeln"

Ermutigung zur Mission: Das Transparent am Kirchturm.

Alstätte. Widersprüchlicher geht’s kaum: Die Bauern im westmünsterländischen Alstätte haben alle Hände voll zu tun mit der Ernte. Doch an dem spätmittelalterlichen Kirchturm hängt ein Transparent mit der Aufschrift "Zeit zur Aussaat". Nun ja, der Pfarrer kommt aus der Stadt, scheint sich nicht auszukennen mit der Landwirtschaft. Doch so einfach ist das nicht…

"Zeit zur Aussaat – Missionarisch Kirche sein" – unter dieser Überschrift hat Pastor Thomas Linsen Anfang des Jahres ein Projekt ausgerufen, das die Gemeinde St. Maria Himmelfahrt "aus der Defensive holen soll". Der Anlass: Bei den Plänen zur Neugestaltung der Kirche wurde überlegt, die Zahl der Sitzplätze zu verringern, weil die Gottesdienstteilnehmer weniger werden.

Linsen fiel in dieser Zeit ein Satz des Erfurter Bischofs Joachim Warnke auf: "Dass eine Ortskirche nicht wächst, mag auszuhalten sein, dass sie aber nicht wachsen will, ist schlechthin unakzeptabel." Das weckte den Eifer des 41-Jährigen. Dem Pfarrgemeinderat schlug er vor, dass die Gemeinde mit dem Projekt auf "Expansionskurs" gehen solle, statt sich widerspruchslos mit sinkenden Zahlen und dem Rückgang des kirchlichen Lebens abzufinden.

Wenn die Jungen wegbleiben...

Vor seiner Pfarrstelle im urkatholischen Münsterland war der Pastor bis Herbst 2000 in der Diaspora in Wilhelmshaven tätig. Schnell merkte er, dass zwar die Kirche voller, oftmals die Stimmung aber zum Teil trüber war. Die ältere und mittlere Generation klagte, dass die jüngere wegbleibe. "Was haben wir falsch gemacht?" fragten sich anklagend die Alten. Und die Elterngeneration meinte: "Sollen wir die Jungen denn zur Kirche prügeln?" Schmunzelnd meint Linsen: "Wir suchen eine Alternative zum Prügeln."

Doch das scheint nicht so einfach, wie der Geistliche mittlerweile eingesteht. Er möchte die Gläubigen stärken; es gehe darum, christliches Selbstbewusstsein überzeugend zu leben. Hört sich gut an. Aber: "In Bibelgesprächen und anderen Runden merke ich bald, dass die Leute schnell verstummen und ich reden soll, nach dem Motto 'Du bist der Experte'." Die so genannten Gläubigen tun sich schwer, über ihren Glauben zu sprechen. Aus Scham, Hilflosigkeit und Unsicherheit gehe man daher schnell zur Tagesordnung über, stellt Linsen fest.

Überzeugend leben

Vieles ist bei den Gemeindemitgliedern nicht hinterfragt, wie Linsen feststellt. "Taufe und Heirat – nur wegen des weißen Kleides? Das kann es allein doch nicht sein." Der Priester ist dennoch weit entfernt von jeder Art von unbeugsamem Fundamentalismus.

Linsen lädt die "Überzeugten" in seiner Pfarrei ein, mit ihrer Lebensart nicht hinterm Berg zu halten. Aber wie macht man das? Wer große pastorale Konzepte erwartet, wird enttäuscht. Der Geistliche gibt den Menschen einen gelben Kugelschreiber mit der Aufschrift "Zeit zur Aussaat". Unspektakulär. Aber: "So kommen wir ins Gespräch."

... bis es nervt

Das hatten er und der Pfarrgemeinderat auch mit dem Spruchband am Kirchturm erhofft. Doch bislang ist es weitgehend Fehlanzeige. "Dann muss das Transparent so lange hängen, bis es nervt."

Andere Aktionen zeigen schon jetzt Erfolg: Motorradfahrer Linsen machte mit 80 Bikern eine Wallfahrt und sorgte für Aufsehen. Die Teilnehmer waren keineswegs alles regelmäßige Kirchgänger. Doch selbstverständlich gingen am Abend alle mit in den Gottesdienst. Die Kirche war voll. "Und das ist das Ziel", erklärt Linsen.

Aus: www.kirchensite.de

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